Kirchengeschichte

Als um das Jahr 570 die Alemannen zum Christentum übertraten, gehörte auch die Sippe des Uigo, der Gründers von Uhingen dazu. Zur ersten Kirche, einem dem hl. Martin geweihten Kirchlein, welches die Urkirche der heutigen Oberhofenkirche in Göppingen ist, musste auch die Sippe des Uigo ihren Teil leisten.

 

Wo und wann die erste Kirche in Uhingen erbaut wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass sie im Jahre 1466 noch stand, als die Uhinger Gemeinde, um das religiöse Bedürfnis ihrer Bürger befriedigen zu können, eine Frühmesse stiftete.

 

Zur Uhinger Kirche gehörten seit altersher Diegelsberg, Holzhausen, Sparwiesen und Niederwälden. Der Hattenhofer Ortsteil Reustadt gehörte bis zur Reformation zur Kirchengemeinde Uhingen, Bezgenriet war bis 1537 Filialgemeinde von Uhingen und kam dann zu Heiningen.

 

Am 10. August 1519 wurden Chorraum und Altar der heutigen evangelischen Cäcilienkirche geweiht.

 

Am 7. Februar 1537 kam Petrus Lang als erster evangelischer Prediger nach Uhingen, nachdem der alte Pfarrer Sebastian Vaut gestorben war.

 

Im Januar 1549 wurden im Kreis Göppingen alle evangelischen Prediger ihres Amtes enthoben, weil Kaiser Karl V. mit einem Edikt („Interim“) den katholischen Glauben wieder einzuführen versuchte und Herzog Ulrich sich dem beugen musste. Aber dieser Versuch schlugen fehl und schon 1552 musste der Kaiser das Edikt wieder aufheben.

 

Als Ende 1635 das Amt Göppingen in den Besitz der österreichischen Erzherzogin Claudia kam, erfolgte ein weiterer Versuch der Rekatholisierung. Die österreichischen Vögte strichen den evangelischen Pfarrern das Gehalt, sie durften auch keine Trauungen, Taufen und Beerdigungen mehr vornehmen, 1644 wurde die Cäcilienkirche ganz für die Evangelischen gesperrt.

 

Nach Abschluss des Westfälischen Friedens am 5. Dezember 1648 wurden Stadt und Amt Göppingen wieder von Württemberg in Besitz genommen. Damit wurde auch wieder der evangelische Glaube eingeführt.

 

Als im Jahr 1710 Schloss Filseck an den Abt von Schöntal verkauft wurde, zog noch im gleichen Jahr ein Pater auf Filseck ein. 1712 hielten Kapuziner aus Dürnau die Hl. Messe auf Filseck. Dagegen erfolgte sofort Einspruch vom Uhingen Pfarrer und nach einigem Hin und Her verkaufte der Schöntaler Abt Schloss Filseck wieder.

 

Im Jahre 1844 zählte Uhingen 8 Katholiken. Mit der Industrialisierung im Filstal wuchs die Zahl deutlich an, 1939 waren es bereits 297. Die seelsorgliche Betreuung ging von der Göppinger Pfarrei St. Maria aus, dorthin mussten auch die Katholiken aus Uhingen zum Gottesdienst pilgern. Es zeigte sich, dass ein geeigneter Raum für den Gottesdienst unerlässlich wurde.

Die Heilig-Kreuz-Kapelle

Der Chronist berichtete darüber: „Nachdem man lange genug eine Unterkunftsmöglichkeit gesucht hatte, haben die Katholiken doch überraschend schnell einen Gottesdienstraum erhalten. Die Werkstatt an der Keplerstraße, in der noch wenige Wochen vorher fleißig gearbeitet wurde, hat sich in kurzer Zeit in eine schmucke Kapelle umgewandelt. Durch die hilfreiche Zusammenarbeit Vieler war es möglich, den neu eingerichteten Raum bereits am Sonntag, dem 23. Oktober 1938, dem Oktavtage des Kirchweihfestes zu weihen. Groß war die Freude der Uhinger Katholiken, groß war die Freude aller Gäste, als sie zum ersten Mal die neue Kapelle betreten durften. Die Kapelle wurde dem Geheimnis des hl. Kreuzes (Patrozinium, 14. September) geweiht und zu Ehren der hl. Cäcilia. Der schöne Flügelaltar, der im neu hergerichteten Kapellenraum steht, spricht mit seinen Bildern vom Leiden und Sterben Jesu Christi zu jedem Besucher der Kapelle vom Geheimnis des hl. Kreuzes.“

 

Im Frühjahr der Jahres 1946 erhielt die Gemeinde einen eigenen Seelsorger, Pfarrer Karl Pelikan. Da er selbst die Pfarrstelle in Neutitschein und damit die Heimat verlassen musste, verstand er besonders die Nöte und Sorgen der Heimatvertriebenen. Ihm oblag auch die Seelsorge in den beiden Gemeinden Albershausen und Holzhausen.

 

In der Heilig-Kreuz-Kapelle war nunmehr viermal Eucharistiefeier an den Sonntagen. Da Pfarrer Pelikan dies nicht mehr allein leisten konnte, feierten Priester aus der Muttergemeinde St. Maria in Göppingen einen oder zwei Gottesdienste an den Sonntagen.

Der Bau der Heilig-Kreuz-Kirche

Dass die Heilig-Kreuz-Kapelle ein Notbehelf war, zeigte sich immer mehr, und der Kirchenstiftungsrat sah sich gezwungen, wenigstens nach einem Bauplatz Umschau zu halten. Am 16. November 1947 konnte ein solcher von der Witwe Schöllkopf am Haldenberg gekauft werden. Derselbe entsprach jedoch nicht den Anforderungen und nach langen Verhandlungen mit der bürgerlichen Gemeinde konnte er mit dem jetzigen Platz getauscht werden.

 

Am 9. Januar 1950 wurde die Miete des seitherigen Kapellchens durch den Eigentümer gekündigt, so dass der Bau einer neuen Kirche endgültig beschlossen werden musste. An Heiligabend 1952 konnte im Auftrag des Bischofs die Kirche durch Stadtpfarrer Gregor Wäschle benediziert werden. Damals las man im kirchlichen Anzeiger: „Die Katholiken in Uhingen und Holzhausen haben nun ihre eigene Kirche. Seit Jahren waren sie auf die niedrigen und engen Räumen einer ehemaligen Schlosserwerkstatt und Autogarage zum Gottesdienst angewiesen. Viermal an jedem Sonntag wurde die hl. Messe gefeiert und doch reichte der Platz nie aus. Ein feierlicher, erhebender Gottesdienst konnte nie gehalten werden. So war es eine von Herzen kommende Freude und Dankbarkeit zu Gott, die die Herzen bewegte, als in der Mitternachtsmesse dieses Jahres die neue Kirche die Gläubigen kaum fassen konnte.“

 

Eine Zeitzeugin erinnert sich noch: Zum Lied „ Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ brachte eine Abordnung der evangelischen Kirchengemeinde die Statue der hl. Cäcilia in die Kirche. Ein starkes ökumenisches Zeichen, das wir heute noch in Ehren halten.

Alles andere als einfach war der Neubau , der am 1. Oktober 1950 begonnen wurde. Es war damals vorgesehen, nur den Kern, d. h. den Zentralbau der Kirche zu erstellen und einer späteren Zeit den völligen Ausbau nach den Plänen von Regierungsbaumeister Ing. Dr. Alfred Schmidt in Stuttgart zu überlassen. Der Kälteeinbruch um Weihnachten 1950 legte den Bau für längere Zeit still. Dazu kamen Bedenken vom Statistischen Landesbauamt. Auch glaubte die Firma, die den Bau übernommen hatte, zu ihren Angeboten nicht länger stehen zu können. Zu guter Letzt musste man sich für die Erstellung der Gesamtkirche entschließen.


Abschließend wurde bemerkt: „Obwohl die Bautätigkeit sich sehr verteuerte seit dem Baubeginn, ist die Uhinger Kirche mit ihren Raumverhältnissen weit billiger wie jede andere in der Diözese für gleiche Besucherzahl in letzter Zeit gebaute Kirche.“

 

Die Kirche ist ein Zwölfeckbau mit 33 m Durchmesser und 16 m innerer Höhe. Der Kirchenraum ist ebenerdig und hat 600 Sitz- und 900 Stehplätze. Um den Kern, in dem 400 Gläubige Platz haben, führt der Prozessionsgang. An der Ostseite steht der Altar, der von zwei Säulen flankiert wird. So scharen sich die Gläubigen im Halbkreis um den Altar.

Dank der Unterstützung durch die Muttergemeinde St. Maria in Göppingen konnte im Jahre 1959 der neben der Kirche in Uhingen gelegene Platz als Bauplatz erworben werden. Dieser Platz wurde gekauft, um ein katholisches Gemeindezentrum, bestehend aus der schon erbauten Kirche, einem Pfarrhaus, einem Kindergarten und einem Gemeindehaus zu errichten.


Um dieses Gemeindezentrum zu errichten, musste die Filialgemeinde Uhingen zur selbständigen Pfarrei erhoben werden. Dies geschah am 1. März 1961. Nach einem geschichtlichen Rückblick heißt es in der Errichtungsurkunde : „So ist der Antrag der Filialgemeinde Uhingen vom 25. März 1960 auf Errichtung der Pfarrverweserei zum Hl. Kreuz in Uhingen wohlbegründet. ... In Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse sollte die neue Kirchenstelle nicht als Pfarrverweserei, sondern sogleich definitiv als Pfarrei errichtet werden. Das Landratsamt Göppingen hat laut Schreiben gegen die Errichtung der Kath. Pfarrei zum Heiligen Kreuz in Uhingen keine Einwendungen erhoben. Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat mit Erlass vom 5. November 1960 die nach württembergischen Kirchengesetz erforderlichen Genehmigung erteilt.

 

So errichten wir nun – servatis de iure servandis – kraft bischöflicher Vollmacht auf 1. März 1961 in Uhingen die selbständige Katholische Pfarrei Zum Heiligen Kreuz.“

 

Mit der Amtszeit des dritten Pfarrers Wolfgang Müller wurde die Innenrennovation und Vollendung der Heilig-Kreuz-Kirche in Angriff genommen. In der Zeit von 1969 bis 1971 bekam die Kirche ihr heutiges Aussehen durch Einbringen von Schallschluckputz, Holzverkleidung der Seitennische, Erweiterung der Empore, Einbau einer Pfeifenorgel. Architekt war Heinz Bauer, Ebersbach.

 

Durch die Tatsache, dass dieser Kirchenbau etwas Besonderes und Erhaltenswertes ist, wurde im September 1986 die Heilig-Kreuz-Kirche in Uhingen zum denkmalgeschützten Gebäude erhoben.

Zum Namen der Uhinger Heilig-Kreuz-Kirche

Nachdem die Zahl der Katholiken in Uhingen immer mehr zunahm, wurde im Jahr 1938 eine Werkstätte gemietet und in einen Gottesdienstraum umgestaltet. Diese Kapelle musste nun, kirchlicher Vorschrift entsprechend, einem Patronat unterstellt, bzw. auf einen Titel benediziert werden. Es war aber nicht das mittelalterliche Patronat der nunmehr evangelischen Kirche des Ortes, die, wie es in der Weiheurkunde heißt: „in honorem Ss. Caeciliae, Catharinae, Ursulae, Conradi, Timodei et Leonhardi“ geweiht wurde und zwar am 10. August 1519.

 

Der Titel, für den man sich 1938 entschloß, war gewissermaßen schon vorgegeben, durch den Flügelaltar welcher der Seelsorgestelle zur Verfügung gestellt wurde. Seine im nazaränischen Stil gehaltenen Schnitzereien waren Darstellungen des Leidens Christi mit der Kreuzigungsgruppe im Mittelteil. Er war also ein Kreuzaltar und nachdem der Hochaltar in der Regel das Patrozinium einer Kirche ins Bild rückt, war damit auch das Problem der Namensgebung gelöst.

 

Dieser Flügelaltar stammte ursprünglich aus dem Dom zu Rottenburg, wie es im Ortsbuch Uhingen 1975 von August Ramsperger nachzulesen ist. Außerdem hat auf ihm schon der damalige Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die Heilige Messe zelebriert – 1925, auf dem Katholikentag in Stuttgart. Nachdem der Altar für kurze Zeit in der neuen Kirche gestanden hat, soll er nach Heiningen gekommen sein, wo sich aber seine Spuren verlieren.

 

Nun war es naheliegend, dass auch die neue Kirche diesen Titel übernehme. So wollte es der erste ortsansässige katholische Seelsorger Uhingens, Kurat Karl Pelikan, und so wollten es auch die Gläubigen, die sich bereits an den wohlklingenden Namen gewöhnt hatten: Heilig-Kreuz-Kirche.


Der damalige Diözesanbischof Carl Joseph Leiprecht bestätigte diesen Wunsch nur noch offiziell in seiner Errichtungsurkunde als Pfarrei vom 15. Februar 1961, indem er schreibt: „Die zu Ehren des Heiligen Kreuzes geweihte Kirche in Uhingen hat alle Rechte einer Pfarrkirche.“
Im selben Dokument gibt er der Gemeinde noch eine spirituelle Weisung mit auf den Weg ihrer Entfaltung, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat. „Unter dem Zeichen der Erlösung unseres Herrn Jesus Christus möge die Gemeinde in Uhingen ihr Leben entfalten in starkem Glauben, in treuem Gehorsam gegen den Willen Gottes, in opferbereiter Liebe und in froher Hoffnung auf die Vollendung des Heiles in der Wiederkunft des Herrn. Wenn die Gemeinde, ‚in einem Leib mit Gott durch das Kreuz versöhnt’ (Epheser 2,16), in ihrem die Gemeinschaft fordernden und formenden Gotteshaus sich um den Opferaltar versammelt, soll sie zuversichtlich mit dem Apostel bekennen: ‚Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, außer im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus.’ (Galater 6,14).“

 

Ebenso schön drückt es der die Kirche weihende Weihbischof Wilhelm Sedlmeier am 17. September 1955 in seiner Predigt aus, gerührt über die spürbare überirdische Harmonie zwischen Gebäude und Namen:

 

„Ein ungewöhnliches Gotteshaus habt ihr gebaut: eine Rundkirche, einen Zentralbau. Ich meine mit gutem Recht, denn sein Titel und sein Name sagen das Zentralgeheimnis unseres Glaubens aus, das Geheimnis des hochheiligen Kreuzes.“

Der Namenstag der Heilig-Kreuz-Kirche

Der kirchliche Kalender kannte ursprünglich mehrere Feste zu Ehren des Heiligen Kreuzes. So z. B. das Fest Kreuzauffindung, das Fest des Triumphes des Hl. Kreuzes, und das Fest Kreuzerhöhung vom 14. September. Seit 1960 wird nur letzteres noch gefeiert. Es geht auf die seit dem 5. Jahrhundert in Jerusalem zelebrierte öffentliche Zur-Schau-Stellung des Kreuzes Christi zur Verehrung durch die Gläubigen zurück. Daraus entstand unser heutiges Fest, das im Westen schon seit dem 7. Jahrhundert begangen wird.


Es war also für die Uhinger Gläubigen naheliegend, die Weihe ihrer Kirche um dieses Datum herum zu feiern. Damit liegen nun beide für dieses Gotteshaus wichtigsten Feste, nämlich ihr Titularfest (Namenstagsfest) am 14. September und das Kirchweihfest am 18. September, nahe beieinander und so ist der innere Zusammenhang beider auch leichter zu erkennen und für alle nachzuvollziehen.